
In Frankreich fand Bunuel 1964 eine neue Heimat – dank des Produzenten Serge Silberman und des Autors Jean-Claude Carrière. Zu dritt begannen sie eine Zusammenarbeit, von der das europäische Arthaus-Kino noch viele weitere Jahre zehren sollte. Am Anfang stand Tagebuch einer Kammerzofe, der international als Diary of a Chambermaid vermarktet wurde. Es war freilich nicht die erste Verfilmung des Romans von Octave Mirbeau (diese Ehre gebührt Jean Renoir im Jahr 1946). Aber diesmal ist Jeanne Moreau (und nicht Paulette Goddard) in der Rolle eines Dienstmädchens zu bestaunen, das in der Provinz mit dem moralischen Verfall des Bürgertums konfrontiert wird.
Der Film ist das Kunstwerk eines großen alten Mannes, dem es jetzt gefällt, in ganz leisen, aber nicht weniger eindrücklichen Bildern zu reden. Alles prägt sich ein mit mittelmeerisch klaren Konturen, jedes Gesicht der ausnahmslos vollendet gefeilten Schauspieler, die von edlen Nippes überquellenden Zimmer; die Wege im Wald mit der umherhopsenden kleinen Heiligen: Claire. Bilder, die so klar, und darum schön, eine Welt zeichnen, daß man sie wieder und wieder sehen möchte. [...] Es ist der todtraurige Film eines Moralisten, der bis zu seinem Tod nicht aufhören wird, gegen eine Welt zu protestieren, in der man die Schmetterlinge erschießt.*



Mehr Film-Infos
Literatur
*Brigitte Jeremias in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.1964, zit. n. Deutsche Kinemathek (Hrsg.): Luis Bunuel: Essays, Daten, Dokumente, Bertz + Fischer: Berlin 2008, S. 138.
Menü-Screencaps: Diary of a Chambermaid (Optimum Home Entertainment)
